Warum TLS 1.0 und TLS 1.1 heute ein Sicherheitsrisiko darstellen

Kritikalität: Mittel
Kategorie: Transportverschlüsselung
Aufwand zur Behebung: Gering

01 Technischer Hintergrund

TLS (Transport Layer Security) sorgt dafür, dass Daten zwischen dem Browser Ihrer Besucher und Ihrem Webserver verschlüsselt übertragen werden. Erkennbar ist dies am „https“ und dem Schloss-Symbol in der Adresszeile. Ohne diese Verschlüsselung könnten Dritte übertragene Daten – etwa Zugangsdaten, Formulareingaben oder Kontaktanfragen – mitlesen oder manipulieren.

Problematisch ist nicht TLS selbst, sondern der Einsatz veralteter Protokollversionen. TLS 1.0 stammt aus dem Jahr 1999, TLS 1.1 aus dem Jahr 2006. Beide wurden mit RFC 8996 offiziell außer Betrieb genommen, weil sie bekannte Sicherheitsmängel aufweisen und moderne kryptografische Verfahren nicht mehr unterstützen.

Dennoch akzeptieren viele Webserver diese Versionen weiterhin – häufig aus historischen Gründen oder weil bestehende Serverkonfigurationen nie angepasst wurden. Gerade deshalb gehört diese Fehlkonfiguration zu den häufigsten Sicherheitsmängeln bei öffentlich erreichbaren Webservern.

Die Schwachstelle lässt sich meist mit wenigen Handgriffen beheben, bleibt aber auf vielen Systemen jahrelang unentdeckt.

02 Risiken und Auswirkungen

Unterstützt ein Server weiterhin TLS 1.0 oder TLS 1.1, vergrößert sich seine Angriffsfläche. Angreifer können bekannte Schwächen dieser Protokolle ausnutzen oder unter bestimmten Voraussetzungen versuchen, eine Verbindung auf eine ältere Version zurückzustufen (Downgrade-Angriff). Dadurch sinkt das tatsächliche Schutzniveau der verschlüsselten Verbindung.

Die Folge kann sein, dass sensible Informationen wie Zugangsdaten oder personenbezogene Daten nicht mehr mit dem heute erforderlichen Sicherheitsniveau übertragen werden. Darüber hinaus entsprechen veraltete TLS-Versionen regelmäßig nicht mehr dem Stand der Technik und können daher den Anforderungen des Art. 32 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) widersprechen, insbesondere wenn personenbezogene Informationen übertragen werden, wie z.B. in einem Kontaktformular.

Bei Webshops oder andere Anwendungen, die Kreditkarteninformationen übertragen, ist TLS1.3 seit 2018 regulatorisch vorgeschrieben. Eine Nichtbeachtung kann zu Vertragsstrafen, Kündigungen seitens der Kartennetzwerke und erhöhten Haftungsrisiken führen.

Auch wenn eine unmittelbare Kompromittierung eines Servers dadurch nicht automatisch möglich ist, gilt die Unterstützung veralteter Protokolle als vermeidbare Sicherheitslücke und als Hinweis auf eine nicht mehr zeitgemäße Serverkonfiguration.

03 So prüfen Sie die Schwachstelle

Einen ersten Überblick bietet der kostenlose SSL Server Test von Qualys SSL Labs. Das Tool analysiert die öffentlich erreichbare TLS-Konfiguration Ihres Servers und zeigt unter „Configuration“ an, welche Protokollversionen unterstützt werden.

Werden dort TLS 1.0 oder TLS 1.1 als unterstützt („Yes“) angezeigt, sollte die Serverkonfiguration überprüft werden.

Alternativ lässt sich die Konfiguration direkt über die Kommandozeile testen:

openssl s_client -connect ihre-domain.de:443 -tls1_1

Kommt eine Verbindung zustande, akzeptiert der Server weiterhin TLS 1.1 und sollte entsprechend angepasst werden. Erscheint stattdessen eine Fehlermeldung wie „no protocols available“ oder „handshake failure“, ist die veraltete Protokollversion bereits deaktiviert.

04 So beheben Sie die Schwachstelle

Die Lösung besteht darin, TLS 1.0 und TLS 1.1 serverseitig vollständig zu deaktivieren und ausschließlich TLS 1.2 sowie TLS 1.3 zuzulassen.

Je nach eingesetzter Serverumgebung erfolgt die Konfiguration an unterschiedlichen Stellen:

  • Apache: SSLProtocol
  • nginx: ssl_protocols
  • Microsoft IIS: Schannel-Konfiguration
  • Managed Hosting: Einstellungen im Kundenportal oder über den Hosting-Anbieter

Zusätzlich empfiehlt es sich, die verwendeten Cipher Suites zu überprüfen und an aktuelle Empfehlungen anzupassen. Als maßgebliche Orientierung dient hierfür die Technische Richtlinie BSI TR-02102-2 .

Nach jeder Änderung sollte die TLS-Konfiguration erneut getestet werden. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass berechtigte Nutzer und angebundene Systeme weiterhin problemlos auf den Dienst zugreifen können. In der Praxis unterstützen heute nahezu alle aktuellen Browser, Betriebssysteme und Anwendungen TLS 1.2 oder TLS 1.3.

05 Wie unser WebScan™ unterstützt

Die oben beschriebenen Schritte helfen dabei, genau diese Schwachstelle zu erkennen und zu beheben. In der Praxis bestehen jedoch häufig mehrere Sicherheitsrisiken gleichzeitig. Fehlkonfigurationen, veraltete Software oder weitere Schwachstellen bleiben ohne systematische Prüfung oft unentdeckt.

Unser WebScan™ analysiert Ihre öffentlich erreichbaren Systeme aus der Perspektive eines potenziellen Angreifers und identifiziert externe Schwachstellen automatisiert. Alle Ergebnisse werden anschließend durch unsere Sicherheitsexperten geprüft und bewertet. Sie erhalten einen strukturierten Bericht mit einer nachvollziehbaren Risikoeinschätzung sowie konkreten Handlungsempfehlungen zur Behebung.

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