„Wir haben doch ein Backup“

Fragt man Unternehmen nach ihrer IT-Sicherheit, lautet eine der ersten Antworten häufig: „Wir haben doch ein Backup“. Das hören wir in Beratungsgesprächen regelmäßig. Backups gehören zweifellos zu den wichtigsten Maßnahmen der Informationssicherheit. Sie lösen jedoch nur einen Teil des Problems. Denn die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr allein, ob Daten gesichert wurden, sondern wie schnell ein Unternehmen nach einem Cyberangriff wieder arbeitsfähig ist.

tax Warum verwechseln viele Unternehmen Sicherheit mit Wiederherstellung? Ihr externer Datenschutzbeauftragter in Berlin | sofortdatenschutz.de

Ein Backup verhindert keinen Angriff

Ein Backup schützt Daten vor Verlust – etwa durch einen technischen Defekt, versehentliches Löschen oder mutwillige Zerstörung. Es verhindert jedoch weder;

  • einen Ransomware-Angriff,
  • den Ausfall kritischer Systeme,
  • gestohlene Zugangsdaten,
  • kompromittierte Benutzerkonten
  • noch längere Betriebsunterbrechungen.

Bei Ransomware-Angriffen ist dabei nicht die Geschwindigkeit das eigentliche Problem. Angreifer bewegen sich häufig über Wochen oder Monate unbemerkt im Netzwerk – lange genug, um gezielt auch die Sicherungen zu kompromittieren. Sind selbst länger zurückliegende Backups erst einmal verschlüsselt oder gelöscht, bleibt dem betroffenen Unternehmen kaum eine Möglichkeit, relevante Daten wiederherzustellen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein laufender Angriff oft überhaupt erst dann auffällt, wenn die Verschlüsselung bereits erfolgt ist. Zu diesem Zeitpunkt hilft ein vorhandenes Backup allein häufig nicht mehr weiter.

Die eigentliche Frage lautet: Wie schnell sind Sie wieder arbeitsfähig?

Viele Unternehmen testen regelmäßig ihre Datensicherung. Deutlich seltener wird jedoch geprüft,

  • ob sich Systeme tatsächlich vollständig wiederherstellen lassen,
  • wie lange die Wiederherstellung dauert,
  • welche Abhängigkeiten zwischen den Systemen bestehen und welche Anwendungen also zuerst benötigt werden,
  • und wie lange der Geschäftsbetrieb ohne diese Systeme und Anwendungen aufrechterhalten werden kann.

Ein Backup ist deshalb nur ein Teil der Lösung. Ebenso wichtig ist eine funktionierende Wiederanlaufstrategie.

Cyberresilienz bedeutet mehr als Datensicherung

Der Begriff Cyberresilienz gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung. Gemeint ist die Fähigkeit eines Unternehmens,

  • Angriffe möglichst früh zu erkennen,
  • Auswirkungen zu begrenzen,
  • den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten
  • und Systeme kontrolliert wiederherzustellen.

Dabei spielen neben Backups unter anderem auch Notfallpläne, Wiederherstellungstests, Rollenverteilungen, Incident-Response-Prozesse und technische Schutzmaßnahmen eine wichtige Rolle.

Die häufigsten Irrtümer

1. „Wir haben Backups, also sind wir abgesichert.“ – Ein Backup schützt vor Datenverlust, nicht vor Betriebsstillstand.

2. „Unsere Backups funktionieren.“ – Nur regelmäßige Restore-Tests zeigen, ob Daten tatsächlich wiederhergestellt werden können.

3. „Im Notfall kümmern wir uns darum.“  – Gerade unter Zeitdruck fehlen häufig klare Zuständigkeiten und priorisierte Wiederanlaufpläne.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

Aus unserer Beratungspraxis empfiehlt sich insbesondere;

  • Backup- und Wiederherstellungsstrategie getrennt zu betrachten,
  • Wiederherstellungen regelmäßig praktisch zu testen,
  • kritische Systeme und Prioritäten zu dokumentieren,
  • Verantwortlichkeiten für den Ernstfall festzulegen,
  • Notfall- und Wiederanlaufpläne regelmäßig zu aktualisieren,
  • Offline- oder unveränderliche Backups zu prüfen
  • und Cyberresilienz als festen Bestandteil der Informationssicherheit zu etablieren.

Fazit

Backups bleiben unverzichtbar. Sie sind jedoch längst nicht mehr gleichbedeutend mit IT-Sicherheit. Moderne Cyberangriffe zeigen, dass Unternehmen nicht nur Daten schützen müssen, sondern auch ihre Fähigkeit, nach einem Sicherheitsvorfall möglichst schnell wieder arbeitsfähig zu werden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb heute nicht mehr: „Haben wir ein Backup?“

Sondern: „Wie schnell können wir nach einem Cyberangriff weiterarbeiten?“ und „Wie können wir hier besser werden?“

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