Ein Screenshot ist schnell weitergeleitet
„Kannst du mir mal den Chat weiterleiten?“ Ein Screenshot aus einer Messenger Unterhaltung ist schnell erstellt und ebenso schnell weitergeleitet.
Was im privaten Alltag oft selbstverständlich wirkt, kann im beruflichen Kontext jedoch erhebliche rechtliche und organisatorische Risiken verursachen.

Messenger Kommunikation spielt heute auch im Arbeitsalltag eine immer größere Rolle. Mitarbeitende stimmen sich über WhatsApp, Signal, Telegram, Microsoft Teams oder andere Dienste ab, teilen Informationen, Telefonnummern oder Screenshots und leiten Nachrichten weiter.
Vielen Beteiligten ist nicht bewusst, dass bereits Chats, Telefonnummern oder weitergeleitete Screenshots datenschutzrechtlich relevant sein können.
In der Praxis werden E-Mail-Nutzung, Zugriffsrechte oder IT Sicherheit häufig klar geregelt, während Messenger Kommunikation organisatorisch oft kaum berücksichtigt wird.
Genau hier entstehen schnell Risiken.
Warum Messenger Kommunikation im Arbeitsalltag problematisch werden kann
Messenger Dienste sind schnell, praktisch und niedrigschwellig. Genau deshalb werden sie im Arbeitsalltag häufig spontan genutzt.
Kritisch wird das Thema insbesondere dort, wo private und berufliche Kommunikation nicht mehr sauber voneinander getrennt werden.
Beispielsweise werden:
- private Telefonnummern weitergegeben,
- Screenshots aus Chats geteilt,
- Kundendaten über Messenger versendet,
- interne Informationen in Gruppen geteilt
- oder Nachrichten außerhalb freigegebener Systeme weitergeleitet.
Vielen Beteiligten ist dabei oft nicht bewusst, dass bereits Telefonnummern, Profilbilder, Chatverläufe oder Namen personenbezogene Daten darstellen können.
Auch informelle Kommunikationswege können dadurch erhebliche datenschutzrechtliche und organisatorische Auswirkungen haben.
Wenn Screenshots und Weiterleitungen eskalieren
Ein erhebliches Risiko entsteht häufig bereits durch das Weiterleiten einzelner Nachrichten oder Screenshots.
Ein einzelner Screenshot kann bereits:
- personenbezogene Daten,
- vertrauliche Informationen,
- interne Kommunikation,
- Kontaktdaten
- oder sensible Inhalte enthalten.
Vor allem in Konfliktsituationen oder internen Auseinandersetzungen entwickeln sich daraus schnell organisatorische, datenschutzrechtliche oder arbeitsrechtliche Risiken.
Häufig wird unterschätzt, wie schnell aus einer vermeintlich privaten Weiterleitung ein Datenschutzproblem entstehen kann.
Hinzu kommt: Inhalte verbreiten sich über Messenger häufig deutlich schneller und unkontrollierter als über klassische Kommunikationswege.
Warum auch private Telefonnummern sensibel sein können
Viele Menschen unterschätzen, dass bereits die Weitergabe einer privaten Telefonnummer datenschutzrechtlich relevant sein kann.
Telefonnummern gehören zu den personenbezogenen Daten im Sinne der DSGVO.
Werden sie ohne Rechtsgrundlage, Einwilligung oder Notwendigkeit weitergegeben, können bereits datenschutzrechtliche Fragestellungen entstehen.
Sensibel wird das Thema insbesondere im beruflichen Umfeld, wenn:
- private Nummern ohne Abstimmung weitergegeben werden,
- Messenger Gruppen ohne vorherige Information erstellt werden,
- Mitarbeitende private Kontaktdaten beruflich nutzen sollen
- oder private und geschäftliche Kommunikation dauerhaft vermischt wird.
Zusätzlich unterschätzen viele Unternehmen die Auswirkungen automatischer Kontaktsynchronisationen in Messenger Diensten. Werden berufliche Kontakte auf privaten Geräten gespeichert oder Messenger Apps Zugriff auf Telefonbücher gewährt, können personenbezogene Daten bereits automatisiert verarbeitet oder an externe Dienste übertragen werden.
In vielen Unternehmen entwickeln sich solche Kommunikationswege schrittweise und ohne klare organisatorische Regelungen.
Warum Unternehmen Messenger Risiken oft unterschätzen
Messenger Kommunikation wird in vielen Unternehmen noch immer primär als praktisches Kommunikationsmittel betrachtet.
Datenschutz, Vertraulichkeit und Informationssicherheit werden dabei häufig erst berücksichtigt, wenn bereits Konflikte oder konkrete Vorfälle entstanden sind.
In der Praxis zeigt sich jedoch zunehmend, dass Messenger Kommunikation mehrere sensible Bereiche gleichzeitig betrifft:
- Datenschutz,
- Beschäftigtendatenschutz,
- Informationssicherheit,
- Compliance,
- Vertraulichkeit
- und teilweise auch Arbeitsrecht.
Erschwert wird dies zusätzlich dadurch, dass viele Prozesse nie bewusst eingeführt wurden, sondern sich im Arbeitsalltag schrittweise entwickelt haben.
Hybride Arbeitsmodelle und mobile Kommunikation verstärken diese Entwicklungen häufig zusätzlich.
Was Unternehmen jetzt prüfen sollten
Messenger Kommunikation lässt sich im Arbeitsalltag häufig nicht vollständig vermeiden. Umso wichtiger sind klare und praktikable Regelungen.
Aus Beratungssicht empfiehlt sich insbesondere:
- klare Vorgaben zur Nutzung von Messenger Diensten,
- Regelungen zum Umgang mit privaten Telefonnummern,
- Sensibilisierung für Screenshots und Weiterleitungen,
- Trennung privater und beruflicher Kommunikation,
- Nutzung freigegebener Kommunikationsplattformen,
- sowie klare Prozesse für Vertraulichkeit und Datenschutz.
Insbesondere bei privaten Geräten oder mobilen Arbeitsmodellen sollte zudem geprüft werden, welche Kommunikationswege überhaupt zulässig und datenschutzkonform umsetzbar sind.
Wichtig ist dabei vor allem, dass Prozesse nicht nur formal geregelt, sondern auch im Arbeitsalltag praktikabel umgesetzt werden können.
Fazit
Messenger Kommunikation gehört heute für viele Unternehmen längst zum Arbeitsalltag.
Dadurch entstehen neue Risiken, die im Arbeitsalltag häufig unterschätzt werden. Screenshots, weitergeleitete Nachrichten oder die Nutzung privater Telefonnummern wirken oft harmlos, können jedoch schnell datenschutzrechtliche, organisatorische oder arbeitsrechtliche Folgen haben.
Für Unternehmen bedeutet das konkret: Messenger Kommunikation sollte nicht informell „nebenbei“ entstehen, sondern bewusst geregelt und in bestehende Datenschutz und Sicherheitsprozesse eingebunden werden.
Unsere Projekterfahrung zeigt, dass sich viele Risiken bereits durch klare Regelungen, praktikable Prozesse und frühzeitige Sensibilisierung deutlich reduzieren lassen.
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