Wie das neue Punktesystem funktioniert und welche Faktoren Ihre Bonität künftig bestimmen
Mit ihrer Pressemitteilung vom 17. März 2026 hat die SCHUFA eine grundlegende Neuausrichtung ihres Scoring-Systems angekündigt. Der neue SCHUFA-Score löst den bisherigen Basisscore ab, gilt branchenübergreifend und soll Verbrauchern erstmals eine nachvollziehbare und verständliche Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit ermöglichen.

Wie funktioniert das neue System?
Der Kern der Neuausrichtung ist ein vollständig offengelegtes Punktesystem. Der neue SCHUFA-Score basiert auf zwölf klar definierten Kriterien, denen jeweils feste Punktespannen zugeordnet sind. Die Einzelpunkte werden zu einem Gesamtwert addiert, der die Kreditwürdigkeit einer Person abbildet.
Nach Angaben der SCHUFA ist die Berechnung damit bewusst so gestaltet, dass sie ohne statistisches Fachwissen verstanden und grundsätzlich auch eigenständig nachvollzogen werden kann. Das ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Basisscore, dessen Berechnungslogik für Verbraucher weitgehend intransparent war.
Die 12 Kriterien des neuen SCHUFA-Scores
Die Bonitätsbewertung stützt sich auf folgende zwölf Faktoren:
- Zahlungsstörungen
- Alter des ältesten Bankvertrags
- Alter der ältesten Kreditkarte
- Alter der aktuellen Adresse
- Alter des jüngsten Rahmenkredits
- Anzahl Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten
- Anzahl Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten
- Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten
- Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite
- Kreditstatus
- Immobilienkredit bzw. Bürgschaft
- Vorliegen einer Identitätsprüfung
Die zugrunde liegenden Daten sowie der Score werden laut Angaben der SCHUFA jeweils zu Beginn eines neuen Quartals aktualisiert.
Was beeinflusst Ihren Score wirklich?
Die relative Bedeutung der einzelnen Kriterien ergibt sich aus ihren jeweiligen Punktespannen. Je größer die mögliche Punktespanne eines Kriteriums, desto stärker ist sein Einfluss auf den Gesamtscore. Das schafft eine Transparenz, die bislang nicht existierte.
Beispielhaft zeigt sich, dass
- Zahlungsstörungen den mit Abstand größten negativen Einfluss auf den Score haben;
- Langfristige Vertragsbeziehungen, wie z.B. ein langjähriger Bankvertrag oder eine langjährig geführte Kreditkarte stabilisierend wirken und den Score positiv beeinflussen;
- Einzelne Statusmerkmale, wie das Vorliegen einer Identitätsprüfung oder eines Immobilienkredits eher einen ergänzenden Charakter haben und weniger stark ins Gewicht fallen.
Der Score ist somit in gewissem Umfang aktiv beeinflussbar. Wer Zahlungsverpflichtungen zuverlässig erfüllt, bestehende Vertragsbeziehungen pflegt und unnötige Kreditanfragen vermeidet, kann seine Bonitätsbewertung langfristig positiv gestalten.
Einordnung des SCHUFA-Scores in Scoreklassen
Zur besseren Orientierung ordnet die SCHUFA den ermittelten Punktwert in eine von fünf Scoreklassen ein. Diese geben eine schnelle Einschätzung darüber, wie die eigene Kreditwürdigkeit von Vertragspartnern, etwa Banken oder Vermietern, typischerweise eingeordnet wird.
Die fünf Scoreklassen im Überblick
- Hervorragend (776 bis 999 Punkte): Sehr geringes Risiko für Zahlungsausfälle, beste Chancen auf Kreditvergabe.
- Ca. 62 % der in Deutschland erfassten Personen fallen in diese Kategorie.
- Gut (709 bis 775 Punkte): Durchschnittliches Risiko für Zahlungsausfälle, gute Chancen auf Kreditvergabe.
- Ca. 20 % der in Deutschland erfassten Personen fallen in diese Kategorie.
- Akzeptabel (642 bis 708 Punkte): Leicht erhöhtes Risiko für Zahlungsausfälle, Kreditvergabe grundsätzlich möglich.
- Ca. 8 % der in Deutschland erfassten Personen fallen in diese Kategorie.
- Ausreichend (100 bis 641 Punkte): Erhöhtes bis deutlich erhöhtes Risiko für Zahlungsausfälle, eingeschränkte Chancen auf Kreditvergabe.
- Ca. 2 % der in Deutschland erfassten Personen fallen in diese Kategorie.
- Ungenügend (kein Score): Bei offenen Zahlungsstörungen oder Einträgen aus Schuldner- bzw. Insolvenzregistern berechnet die SCHUFA keinen Score.
- Dies betrifft ca. 8 % der in Deutschland erfassten Personen.
Der neue SCHUFA-Account
Parallel zur Einführung des neuen Scores stellt die SCHUFA einen zentralen digitalen Zugang bereit. Über die Webanwendung unter app.schufa.de sowie die SCHUFA-App (iOS und Android) können Verbraucher jederzeit und kostenfrei ihre gespeicherten Daten einsehen.
Die Registrierung ist kostenlos und erfolgt entweder über die Online-Ausweisfunktion (eID) oder per PIN-Verfahren. Im Account werden sowohl der Score als auch die zugrunde liegenden Daten und Erläuterungen zur Berechnung bereitgestellt.
Fazit
Der neue SCHUFA-Score stellt einen deutlichen Fortschritt dar. Durch die klare Punktelogik, die definierten Kriterien und die sichtbare Gewichtung wird die Bonitätsbewertung erstmals in weiten Teilen nachvollziehbar.
Verbraucher erhalten damit eine bessere Kontrolle über ihre Daten und ein klares Verständnis dafür, welche Faktoren ihre Kreditwürdigkeit beeinflussen.
Auch wenn die konkrete Entwicklung des Scores weiterhin vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren abhängt und im Einzelfall nicht vollständig prognostizierbar ist, markiert der neue SCHUFA-Score einen grundlegenden Wandel hin zu mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der Bonitätsbewertung.
Übergangsphase bei Unternehmen bis Ende 2028
Bereits seit April 2025 können Unternehmenskunden den neuen Score testen und einsetzen. Aktuell nutzen rund 25 % der Unternehmen den neuen SCHUFA-Score, darunter auch erste große Marktteilnehmer. Bis Ende 2026 soll etwa die Hälfte der Kunden auf den neuen SCHUFA-Score wechseln. Die vollständige Umstellung ist bis Ende 2028 vorgesehen.
Sofortdatenschutz – Kontaktaufnahme
„*“ zeigt erforderliche Felder an


